Es ist nicht nur die Wand vor der Heimat, die ihn abweist. Wenn er genau angeben könnte, was ihn in diesem Griechenland hält! Viele Gründe für etwas, was eigentlich Erfahrung ist, Erlebnis. Leidenschaft. Kein andres Land hat ihn so angerührt. (…) Dieser mürbe Boden Griechenlands, gelockert, durchwachsen von den Wurzeln der Freiheit und Schönheit, Prometheus, überall die Denkmäler des Revolutionärs, begraben im Schutt flacher Jahrhunderte, aber er sieht die Hand mit der Fackel oft herausragen aus dem Geröll. Vielleicht hat er es nur geträumt. Helle Tagträume. Eine solche Vertrautheit mit dem Fremden – das war ihm noch nirgends begegnet. Landschaften, die ihm zugleich ins Herz und ins Gedächtnis griffen, die Brücken schlugen in seine Kindheit  und den mitgebrachten Schmerz mit Schorf bedeckten, ihn an das eigentliche Leben erinnerten, auf eine sanfte, gewaltlose Weise, vertrauenerweckend.

(aus: “Sonnenflucht“)

Meine griechische Erfahrung

Als ich 1979 nach Griechenland reiste und vier Wochen als Urlauber auf der Insel Patmos blieb, hatte ich dort in manchen Augenblicken das Gefühl einer Heimkehr.

Das klingt wenig glaubhaft, denn ich war zum erstenmal nach Griechenland gekommen. Dennoch erlebte ich Situationen, die mir vorkamen wie schon früher erlebt, etwa in der Weise, wie wir manchmal in einer nachweislich uns unbekannten Umgebung plötzlich einen Blitz des Wiedererkennens erfahren und hilflos glauben, es müsse sich um die Erinnerung an ein Erlebnis aus einer früheren Existenz handeln.

Was mir auf Patmos passierte, war allerdings von dauerhafterer Natur als solch ein Erinnerungsblitz - eben: das Gefühl einer Heimkehr. Dieses Gefühl war so nachdrücklich, dass ich ein Jahr später zurückkehrte auf die Insel, um dort in einem Bauernhaus, in enger Symbiose mit Bauern, Fischern und Handwerkern, ganz ohne Touristen, den Sommer, den Herbst, den Winter und das Frühjahr zu verbringen.

Für den Ursprung, den Auslöser meines Gefühls habe ich eine plausible Erklärung nicht gefunden – ich habe es hingenommen und ihm lebend entsprochen – so dass ich bis heute fast jährlich für längere Zeit in dieses Land gekommen bin und mir auf einer anderen literarischen Insel, auf Ithaka, ein kleines Haus gebaut habe.

Im Jahre 1990 sendete der Hessische Rundfunk das Funk-Feature  ”Ithaka – Traumheimat der Weltbürger. Ein realistischer Zustandsbericht.”