Stimmen zur Sisyfos-Tetralogie

Die epische Schwermut, vor der diese Heiterkeit erst zum Leuchten gelangt, kenne ich nur von Leuten, die, wie ebenfalls Schernikau, so viel über Deutschland als politisches Jammertal wussten, wie Döblin in den November 1918-Romanen verraten hat; also etwa bei Peter Weiss oder bei Erasmus Schöfer.
Dietmar Dath in Neue Rundschau 1/2009

Ein wunderbarer Autor!
Ilija Trojanow in seiner Empfehlung Erasmus Schöfers für das Internationale Programm des Berliner Literaturfestivals 2009

Eine lebendige, szenisch anschauliche Darstellung der Ereignisse zwischen 1968 und 1989. (…) Und man darf sagen, Schöfer hat jenen Jahren ihre Vieldeutigkeit zurückgegeben. Indem er von nichts als Schwierigkeiten erzählt, hat er den inzwischen zerschlissenen Weltverbesserungsträumen ihre Größe zurückgegeben.
Walter van Rossum, Deutschlandfunk, 19.8.2004

Die Romane als Repräsentation bundesdeutscher Geschichte der linken Bewegung seit den 1960er Jahren sind ein großer Wurf. Das Unternehmen ist einzigartig, Schöfers Wissen und Kraft zur Verdichtung von immensem historischen Material bewundernswert.
Rüdiger Scholz, Peter-Weiss-Jahrbuch 2005

Es ist und bleibt ein packendes Buch, das wie die anderen drei (Romane) Erinnerungen an das eigene gelebte Leben wachruft. Von allen deutschen Gegenwartsromanen, die ich kenne, ging mich keiner mehr an als dieser.
Walter Kaufmann Neues Deutschland, 15.9.2008

Ein Zeitroman, in dem jüngste deutsche Geschichte und persönliche Erfahrung des Autors verschmolzen sind, was dem Erzählten zu eindringlicher Authentizität verhilft.
Karl Otto Conrady, Gutachten Stiftung Kunst & Kultur NRW 2000

Was Schöfers Roman (…) leistet, ist eine enge Verknüpfung im Kapitalismus getrennter Bereiche wie Arbeit, Kunst, Politik und Liebe.
Franziska Schössler in: “Erasmus Schöfers andere Theatergeschichte” 2012

Der Aufklärung und Emanzipation verpflichtet, hat Schöfer intellektuelle und geistreiche Sprachexperimente gewagt. Wie Regler hat er in seinem Werk die Desillusionierung einer zu sozialen und politischen Utopien aufbrechenden Generation literarisch gestaltet. In seiner weit ausholenden Romantetralogie „Die Kinder des Sisyfos“ erweist er sich als genauer und sensibler Beobachter von Menschen, die in ihren konkreten geschichtlichen Zusammenhängen agieren und so ein neues Selbstverständnis finden.
Begründung der Jury zur Verleihung des Gustav-Regler-Preises der Kreisstadt Merzig 2008

Sein (Schöfers) unzeitgemäßer „Zeitroman“ ist ein großes und anspruchsvolles Unternehmen, ein Textarchiv der gesellschaftlichen Auseinandersetzungen, eine Literaturgeschichte in der Literatur (…) „Die Kinder des Sisyfos“ (ist ) ein Romanzyklus gegen die Resignation, ein Mittel gegen linke Melancholie.
Heribert Hoven , Die Tageszeitung, 7.7.2004. In: „Unsichtbar lächelnd …“, Dittrich Berlin 2006

Es ist viel Nostalgie in diesem Buch, Sehnsucht nach den Klassenkämpfen einer ur-archaischen Gesellschaft, auch Nostalgie nach der »Sinnlichkeit« körperlicher Arbeit (…) – empfindsam geschildert, diese Nostalgie (besonders bei der Schilderung des Backens, der seemännischen Arbeit, des Kranführer etc.) schön, auch die Beobachtung der Katzen, die Beschreibung des  „Treibens“ auf Märkten und Straßen, die Schilderung archaisch-ruhiger Mahlzeiten.
Brief von Heinrich Böll an Erasmus Schöfer, 10.9.1984. In:  „Unsichtbar lächelnd …“, Dittrich Berlin 2006

Nur wenigen gelingt es, über jenes psychisch-körperliche Zusammenspiel von Gefühlen, Affekten und Empfindungen, das wir – ein Begriff unpassender als der andere – Geschlechtsverkehr, Liebesakt, Beischlaf oder Vögeln nennen, so zu schreiben, dass es weder angestrengt noch pornographisch klingt. Thomas Lehr („Nabokovs Katze“) gehört dazu, Thommie Bayer („Das Herz ist eine miese Gegend“) und jetzt auch Erasmus Schöfer.
Hannes Krauss in „Unsichtbar lächelnd …“, Dittrich Berlin 2006

Deine Romane waren für mich wie frischer Wind, wie ein Aufreißen des Fensters in einem miefigen Zimmer. Man wird als Leser in die „Kinder des Sisyfos“ von Anfang hineingezogen, und da Du sehr bewegte Zeiten beschreibst, bewirkt dieser atemlose Stil, dass man ein Gefühl dafür bekommt, wie die Mauern und Pfeiler des Status Quo ins Wanken geraten, wie berauschend aber auch verwirrend solche Momente des Aufbruchs sind.
Brief von Ilija Trojanow an Erasmus Schöfer, 2012, in: “Im Rücken die steinerne Last“, Dittrich, Berlin 2012

Unbedingt möchte ich noch hervorheben, dass Eramus Schöfer das Problem der in Prüderie oder blumiger Klischeehaftigkeit erstarrten Sprache der Liebe beeindruckend gelöst hat.”
Sabine Kebir in: “Auf der Höhe der Zeit erzählt”  2012

Rückblickend mustert Schöfer die linke Geschichte dieser Bundesrepublik, die zwei entscheidenden Dezennien von 1968 bis 1989 (…) Was Peter Weiss in den 70er Jahren mit seiner „Ästhetik des Widerstands“ leistete, nämlich die fiktionale Darstellung der linken Geschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, das unternimmt Schöfer in seinem Roman („Die Kinder des Sisyfos“) für die zweite Hälfte.
Karlheinz Braun, Frankfurter Rundschau

Ein kämpferisches Werk, mit einem kraftvollen Glauben daran, dass Literatur die Lebensverhältnisse der Menschen verändern kann. Und nicht die eigenen Lebensverhältnisse vor allem, sondern die einer solidarischen Gesellschaft.
Volker Weidermann, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

Die Schilderungen von Privatem und Politischem, von Liebe und Einsamkeit, Resignation und neuem Widerstandswillen, ferner Natur- und Großstadtszenen sind (…) zu einer farbigen Montage zusammengefügt, bei der auf das Geschichtliche und Politische immer wieder angespielt wird (…). Lebensleid und Lebenslust sind die beiden Seiten derselben Medaille.
Hermann Glaser, Nürnberger Nachrichten

Es ist kein trockenes Geschichtsbuch, sondern ein bemerkenswertes Stück Literatur, das zum Besten gehört, was der Rezensent je in deutscher Sprache gelesen hat.
Thomas Wagner, Junge Welt

Karrikatur von Walter Kurowski