(Inhaltsbeschreibungen aus dem Nachwort von Werner Jung in „Diesseits von Gut und Böse“)

(„Ein Frühling irrer Hoffnung“, 2001) Der Leser wird in die bayerische Landeshauptstadt geführt, die von Studentenunruhen, Demonstrationen der APO gegen die Notstandsgesetze und Theaterquerelen beherrscht ist. Wir schreiben das Jahr 1968, Ostern. Viktor Bliss ist soeben von Wolfgang Abendroth in Marburg promoviert worden und seiner Frau Lena, die als Gewandmeisterin an den Kammerspielen für Peter Stein arbeitet, nachgereist. Plötzlich stehen beide mitten im hektischen politischen Geschehen, sind gezwungen, Farbe zu bekennen und sich zu engagieren. (…) Was tun? Vor allem aber wo und mit wem? Die alte KPD ist dabei, sich unter neuem Namen als DKP wieder zu formieren, doch es drohen schon wieder erbitterte Richtungskämpfe (…). Man ahnt bereits hier schon die heillosen späteren Verwicklungen. 

Im zweiten Teil, „Zwielicht“ (2004), behandelt Schöfer die (…) Post-68er-Jahre: eine zersplitterte Linke, die ersten AKW-Großdemonstrationen (Wyhl, Kalkar, Brokdorf), Betriebsbesetzungen und – von besonderer Bedeutung – die Werkkreisbewegung, schließlich aus der Ferne so nah die RAF-Aktionen und die staatlichen Reaktionen samt der Diskussionen um Gesetzesverschärfungen (…) Schöfer versteht es, seine Protagonisten (…) in die Auseinandersetzungen der Zeit, die politischen Kämpfe wie diskursiven Verwicklungen auf unterschiedlichsten Feldern (Liebe und Sexualität als ganz besonderer „Arbeitsgrund“, wobei es Schöfer exzellent vermag, Sinnlich-Erotisches zur Sprache zu bringen) hineinzuführen und dabei insgesamt ein dichtes Zeitpanorama zu gestalten. 

Sonnenflucht“ (2005) erzählt von Viktor Bliss, einem Lehrer und Berufsverbotsopfer, der sich vorübergehend nach Griechenland zurückgezogen hat, und seinem Freund, dem kritischen Gewerkschafter und Betriebsratsvorsitzenden Manfred Anklam, der sich seinerseits aufgemacht hat, um den Freund wieder zur Heimkehr in die Bundesrepublik zu bewegen. Ein junges griechisches Mädchen wird von einem Werksbus vorsätzlich überfahren, während Kommunisten und Linke vor der Fabrik demonstrieren. Dazwischen immer wieder Berichte über Großbrände in den umliegenden Wäldern. Am Ende liegt der eine, Bliss, schwer verletzt in der Klinik, nachdem er beim Löschen der Brände helfen wollte, der andere, Anklam, ist aus seinem Betrieb rausgeflogen.

 Winterdämmerung“ (2008), führt den Leser in die Zeit von 1988/89, wobei von zentraler Bedeutung der Kampf um den Erhalt des Kruppschen Stahlwerks in Rheinhausen ist. Auch wenn – letzten Endes – diese Bewegung gescheitert ist, hält Schöfer doch unbeirrt den Hoffnungsgedanken hoch. Am Silvesterabend 1999/2000 lässt er seine Protagonisten noch einmal in Rheinhausen zusammentreffen; sie feiern, erinnern sich an die wilden Tage früher, versuchen Bilanz zu ziehen (…): „Vielleicht (…) befreit uns der Absturz, alles noch einmal neu zu denken, eine gerechte Gesellschaft, in der auch die andre Seite des Menschen sich entfalten kann – seine Fantasie, seine Spiritualität, sein Spieltrieb.“ Und ganz zum Schluss weht (…) auf dem stillgelegten Hochofen – nein, nicht die rote Fahne, sondern flattert, was vom Arbeitskampf übrig blieb: ein „roter Fetzen“.