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	Kommentare zu: Kinder des Sisyfos	</title>
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	<description>Schriftsteller, Autor von Zeitromanen, Lyriker</description>
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		<title>
		Von: Sabine Kebir		</title>
		<link>https://www.erasmusschoefer.de/kinder-des-sisyfos/#comment-46</link>

		<dc:creator><![CDATA[Sabine Kebir]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Dec 2021 13:33:54 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[11. Juni 2014, 17:51 &#124; 
&lt;strong&gt;Erasmus Schöfer und Peter Weiss&lt;/strong&gt;&lt;br&gt;

Erasmus Schöfers Tetralogie „Die Kinder des Sisyfos” gehört sicher zu den Höhepunkten der deutschen Gegenwartsliteratur. Dass nur wenige Kenner sie kennen, liegt am Zeitgeist, der an der literarischen Aufarbeitung der sozialen Kämpfe in der Bundesrepublik zwischen 1968 und 1989 uninteressiert ist oder – was ich für wahrscheinlicher halte, sie sogar fürchtet.&lt;br&gt;
Da Schöfers Werk die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen auch in ihren ästhetischen Verarbeitungen behandelt, ist es durchaus mit Peter Weiss’ „Ästhetik des Widerstands” vergleichbar. Es hat ihr gegenüber jedoch mehrere Vorzüge. Trotz aller, auch autobiografischer Bezüge zu realen Personen und Ereignissen, kommen die vier Bände ehrlich als Roman daher, während Weiss’ Werk – vor allem durch die Ich-Form – zumindest vom Leser eher als Dokumentation denn als Fiktion wahrgenommen wurde (ungeachtet dessen, dass es ausdrücklich als Roman untertitelt ist). Bei Weiss deutet sich aus meiner Sicht schon eine typisch postmoderne, höchst manipulative Vermengung von Dokumentarischem und Fiktivem an. Schöfer schrieb in der dritten Person und wagte mehr poetischen Ausdruck – wodurch die Sphären der Wirklichkeit und der Fiktion für den Leser besser zu erkennen sind.&lt;br&gt;

Ein weiterer Vorzug der „Kinder des Sisyfos” ist die Darstellung der Geschlechterverhältnisse, die bei Weiss im Sinne des damals modischen, sehr konservativen Feminismus ausgefallen war – womit ich mich in verschiedenen Abhandlungen über seine Kapitel zu Brecht und dessen Frauen auseinandergesetzt habe. Indem er dem Mann Brecht die volle Verfügungsgewalt über Sexualität und Arbeitskraft der Frauen zuordnete, entsubjektivierte Weiss diese Frauen und schien völlig zu ignorieren, dass sie aus der frauenemanzipatorischen Bewegung der Weimarer Republik stammten, die ihnen berufliche Entwicklungsmöglichkeiten, aber keine gleichberechtigte Marktmacht verliehen hatte. Weiss ignorierte auch, dass aus der kriegsbedingten Männerknappheit in der Weimarer Republik die bürgerlichen Moralvorstellungen stärker denn je aus den Fugen gerieten und dass sich gerade in diesem Klima beachtliche Ansätze sexueller Emanzipation bei Frauen entwickeln konnten. Diese nach dem zweiten Weltkrieg und besonders dann nach 1968 noch wesentlich weiter entwickelten Ansätze sind bei Schöfer selbstverständliche Folie seiner Figurenausarbeitung. Hier führen eigentlich sogar die Frauen das Zepter, begünstigt dadurch, dass die männliche Hauptfigur Bliss ihnen intellektuell vielleicht überlegen, durch seine prekäre Arbeitssituation aber sozial stark unterlegen ist. &lt;br&gt;

Ein dritter Vorzug von Schöfers Werk gegenüber dem von Peter Weiss scheint mir das Fehlen jeder Spur einer „trotzkistischen” Haltung zu sein, ohne, dass er die geringsten Zweifel an der größtenteils selbstverschuldeten Niederlage des Realsozialismus zulässt. Klarer als bei Weiss werden Realsozialismus und soziale Kampferfahrungen im Westen jedoch als keineswegs tote, sondern lebendige Erfahrungen gesehen, ohne deren Auswertung die künftigen Anstrengungen des Sisyphos – wie bei Camus – tatsächlich sinnlos wären.
&lt;br&gt;
Sabine Kebir]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>11. Juni 2014, 17:51 |<br />
<strong>Erasmus Schöfer und Peter Weiss</strong></p>
<p>Erasmus Schöfers Tetralogie „Die Kinder des Sisyfos” gehört sicher zu den Höhepunkten der deutschen Gegenwartsliteratur. Dass nur wenige Kenner sie kennen, liegt am Zeitgeist, der an der literarischen Aufarbeitung der sozialen Kämpfe in der Bundesrepublik zwischen 1968 und 1989 uninteressiert ist oder – was ich für wahrscheinlicher halte, sie sogar fürchtet.<br />
Da Schöfers Werk die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen auch in ihren ästhetischen Verarbeitungen behandelt, ist es durchaus mit Peter Weiss’ „Ästhetik des Widerstands” vergleichbar. Es hat ihr gegenüber jedoch mehrere Vorzüge. Trotz aller, auch autobiografischer Bezüge zu realen Personen und Ereignissen, kommen die vier Bände ehrlich als Roman daher, während Weiss’ Werk – vor allem durch die Ich-Form – zumindest vom Leser eher als Dokumentation denn als Fiktion wahrgenommen wurde (ungeachtet dessen, dass es ausdrücklich als Roman untertitelt ist). Bei Weiss deutet sich aus meiner Sicht schon eine typisch postmoderne, höchst manipulative Vermengung von Dokumentarischem und Fiktivem an. Schöfer schrieb in der dritten Person und wagte mehr poetischen Ausdruck – wodurch die Sphären der Wirklichkeit und der Fiktion für den Leser besser zu erkennen sind.</p>
<p>Ein weiterer Vorzug der „Kinder des Sisyfos” ist die Darstellung der Geschlechterverhältnisse, die bei Weiss im Sinne des damals modischen, sehr konservativen Feminismus ausgefallen war – womit ich mich in verschiedenen Abhandlungen über seine Kapitel zu Brecht und dessen Frauen auseinandergesetzt habe. Indem er dem Mann Brecht die volle Verfügungsgewalt über Sexualität und Arbeitskraft der Frauen zuordnete, entsubjektivierte Weiss diese Frauen und schien völlig zu ignorieren, dass sie aus der frauenemanzipatorischen Bewegung der Weimarer Republik stammten, die ihnen berufliche Entwicklungsmöglichkeiten, aber keine gleichberechtigte Marktmacht verliehen hatte. Weiss ignorierte auch, dass aus der kriegsbedingten Männerknappheit in der Weimarer Republik die bürgerlichen Moralvorstellungen stärker denn je aus den Fugen gerieten und dass sich gerade in diesem Klima beachtliche Ansätze sexueller Emanzipation bei Frauen entwickeln konnten. Diese nach dem zweiten Weltkrieg und besonders dann nach 1968 noch wesentlich weiter entwickelten Ansätze sind bei Schöfer selbstverständliche Folie seiner Figurenausarbeitung. Hier führen eigentlich sogar die Frauen das Zepter, begünstigt dadurch, dass die männliche Hauptfigur Bliss ihnen intellektuell vielleicht überlegen, durch seine prekäre Arbeitssituation aber sozial stark unterlegen ist. </p>
<p>Ein dritter Vorzug von Schöfers Werk gegenüber dem von Peter Weiss scheint mir das Fehlen jeder Spur einer „trotzkistischen” Haltung zu sein, ohne, dass er die geringsten Zweifel an der größtenteils selbstverschuldeten Niederlage des Realsozialismus zulässt. Klarer als bei Weiss werden Realsozialismus und soziale Kampferfahrungen im Westen jedoch als keineswegs tote, sondern lebendige Erfahrungen gesehen, ohne deren Auswertung die künftigen Anstrengungen des Sisyphos – wie bei Camus – tatsächlich sinnlos wären.<br />
<br />
Sabine Kebir</p>
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		<title>
		Von: Subhash		</title>
		<link>https://www.erasmusschoefer.de/kinder-des-sisyfos/#comment-43</link>

		<dc:creator><![CDATA[Subhash]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 29 Dec 2021 13:13:01 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[13. August 2013, 14:15 &#124; 
Ihre Tetralogie „Die Kinder des Sisyfos” beeindrucken mich sehr. Wie bei Peter Weiss’ „Ästhetik des Widerstands” wühlen mich die politischen Kämpfe um ein besseres Leben recht auf.
Der dritte Band hat mich erschüttert. Das Zweifeln der Hauptfigur Bliss, wie man denn als Linker in dieser Welt leben kann, soll, darf, muss, das kenne ich nur zu gut.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>13. August 2013, 14:15 |<br />
Ihre Tetralogie „Die Kinder des Sisyfos” beeindrucken mich sehr. Wie bei Peter Weiss’ „Ästhetik des Widerstands” wühlen mich die politischen Kämpfe um ein besseres Leben recht auf.<br />
Der dritte Band hat mich erschüttert. Das Zweifeln der Hauptfigur Bliss, wie man denn als Linker in dieser Welt leben kann, soll, darf, muss, das kenne ich nur zu gut.</p>
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